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Deutsche Übertragung von „Traditionis custodes“

Gespeichert von Jürgen Niebecker am 17. Juli 2021 - 16:58
Nach­fol­gend ei­ne pri­va­te Schnell­über­tra­gung sei­tens „al­te­mes­sepb.in­fo“ der eng­li­schen Fas­sung des Mo­tu Pro­pri­ums „Tra­di­tio­nis cus­to­des“ ins Deut­sche.
Es han­delt sich um kei­ne of­fi­zi­el­le Über­set­zung!

Apo­sto­li­sches Schrei­ben in Form ei­nes Mo­tu Pror­pio des obers­ten Pon­ti­fex Fran­zis­kus „Tra­di­tio­nis Cu­sto­des“ zur Ver­wen­dung der rö­m­i­schen Li­tur­gie vor der Re­form von 1970.

Als Hüt­er der Tra­di­ti­on bil­den die Bi­schö­fe in Ge­mein­schaft mit dem Bi­schof von Rom das sicht­ba­re Prin­zip und die Grund­la­ge der Ein­heit ih­rer Teil­kir­chen. Un­ter der Lei­tung des Hei­li­gen Geis­tes, lei­ten sie durch die Ver­kün­d­i­gung des Evan­ge­li­ums und durch die Fei­er der Eu­cha­ris­tie die ih­nen an­ver­trau­ten Teil­kir­chen.

Um die Ein­tracht und Ein­heit der Kir­che zu för­dern, ha­ben mei­ne ver­ehr­ter Vor­gän­ger, der Hei­li­ge Jo­han­nes Paul II und Be­ne­dikt XVI mit vät­er­li­cher Sor­ge ge­gen­ü­ber de­nen, die in ei­ni­gen Re­gi­on den li­tur­gi­schen For­men an­hän­gen, die der vom Zwei­ten Va­ti­ka­num ge­woll­ten Re­form vor­aus­gin­gen, die Be­nut­zung des Rö­m­i­schen Mess­buchs, das von Jo­han­nes XXIII 1962 her­aus­ge­ge­ben wur­de, ge­währt und ge­re­gelt. Auf die­se Wei­se be­ab­sich­ti­gen sie, die kirch­li­che Ge­mein­schaft von je­nen Ka­tho­li­ken, die sich mit ei­ni­gen frühe­ren Form der Li­tur­gie und kei­nen an­de­ren an­ge­zo­gen führ­en, zu er­leich­tern.

In ei­ner Li­nie mit der In­i­tia­ti­ve mei­nes ehr­wür­di­gen Vor­gän­gers Be­ne­dikt XVI die Bi­schö­fe ein­zu­la­den, die An­wen­dung des Mo­tu Pro­pri­ums Sum­morum Pon­ti­fi­cum drei Jah­re nach des­sen Ver­öf­fent­li­chung zu prü­fen, führ­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on im Jah­re 2020 ei­ne de­tail­lier­te Kon­sul­ta­ti­on der Bi­schö­fe durch, de­ren Er­geb­nis­se im Lich­te der Er­fah­rung, die in die­sen Jah­ren ge­reif­ten ist, ge­prüft wur­den.

Nach­dem ich die von dem Epi­s­ko­pat ge­äu­ßer­ten Wün­sche ge­prüft und die Stel­lung­nah­me der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ge­hört ha­be, wün­sche ich jetzt mit die­sem Apo­sto­li­schen Schrei­ben in der stän­di­gen Su­che nach kirch­li­cher Ge­mein­schaft im­mer wei­ter vor­an­zu­schrei­ten. Da­her ha­be ich es für an­ge­bracht er­ach­tet, fol­gen­des fest­zu­le­gen:

Art. 1. Die li­tur­gi­schen Bücher, die vom Hei­li­gen Paul VI. und vom Hei­li­gen Jo­han­nes Paul II. in Über­ein­stim­mung mit den De­kre­ten des Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils ver­öf­fent­licht wur­den, sind die ein­zi­ge Aus­drucks­form des „lex oran­di“ des Rö­m­i­schen Ri­tus.

Art. 2. Es ob­liegt dem Di­ö­ze­s­an­bi­schof, als Mo­de­ra­tor, För­de­rer und Hüt­er des ge­sam­ten li­tur­gi­schen Le­bens der ihm an­ver­trau­ten Teil­kir­che, die li­tur­gi­schen Fei­ern sei­ner Di­ö­ze­se zu re­geln. Da­her ist es sei­ne ex­klu­si­ve Zu­stän­d­ig­keit, die Ver­wen­dung des Rö­m­i­schen Mess­buchs von 1962 in sei­ner Di­ö­ze­se, ge­mäß den Richt­li­ni­en des Apo­sto­li­schen Stuhls, zu ge­neh­mi­gen.

Art. 3. Der Bi­schof der Di­ö­ze­se, in der bis­her ei­ne oder meh­re­re Grup­pen exis­tie­ren, die nach dem Mess­buch vor der Re­form von 1970 fei­ern

§ 1. stellt fest, dass die­se Grup­pen die Gül­tig­keit und die Le­gi­ti­mi­tät der Li­tur­gie­re­form, die vom II. Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil und dem Lehr­amt der Päps­te an­ge­ord­net wur­den, nicht leug­nen;

§ 2. be­stimmt ei­nen oder meh­re­re Or­te, an de­nen sich die Gläu­bi­gen die­ser Grup­pen zur Eu­cha­ris­tie­fei­er ver­sam­meln kön­nen (je­doch nicht in den Pfarr­kir­chen und oh­ne Er­rich­tung neu­er Per­so­nal­pfar­rei­en);

§ 3. legt an den vor­ge­se­hen Or­te die Ta­ge, an de­nen eu­cha­ris­ti­sche Fei­ern un­ter Ver­wen­dung des Mess­buchs, das vom Hei­li­gen Jo­han­nes XXIII. 1962 her­aus­ge­ge­ben wur­de, er­laubt ist, fest. In die­sen Fei­ern wer­den die Le­sun­gen in der Lan­des­s­pra­che vor­ge­tra­gen, un­ter Ver­wen­dung von Über­set­zun­gen der Hei­li­gen Schrift, die von den je­wei­li­gen Bi­schofs­kon­fe­ren­zen für den li­tur­gi­schen Ge­brauch zu­ge­las­sen sind.

§ 4. er­nennt ei­nen Pries­ter als De­le­gat des Bi­schof, der mit die­sen Fei­ern und mit der Seel­sor­ge die­ser Gläu­bi­gen die­ser Grup­pen be­traut ist. Die­ser Pries­ter soll für die­se Auf­ga­be ge­eig­net sein, ge­übt im Um­gang mit dem Mis­s­a­le Ro­ma­num der Re­form von 1970, aus­rei­chen­de Kennt­nis­se der la­tei­ni­schen Spra­che be­sit­zen, um die Ru­bri­ken und li­tur­gi­schen Tex­te aus­rei­chend zu ver­ste­hen, und von ei­ner le­ben­di­gen pa­s­to­ra­len Nächs­ten­lie­be und ei­nem Ge­fühl der kirch­li­chen Ge­mein­schaft be­seelt sein. Die­sem Pries­ter sol­le nicht nur die rich­ti­ge Fei­er der Li­tur­gie am Her­zen lie­gen, son­dern auch die pa­s­to­ra­le und geist­li­che Sor­ge um die Gläu­bi­gen;

§ 5. geht ge­eig­net vor, um zu über­prü­fen, ob die zum Woh­le die­ser Gläu­bi­gen ka­no­nisch er­rich­te­ten Pfar­rei­en für ihr geist­li­ches Wach­s­tum wirk­sam sind und um zu ent­schei­den, ob sie bei­be­hal­ten wer­den sol­len oder nicht;

§ 6. ach­tet da­r­auf, kei­ne neue ge­grün­d­e­ten Grup­pen zu ge­neh­mi­gen.

Art. 4. Pries­ter, die nach der Ver­öf­fent­li­chung die­ses Mo­tu Pro­pri­os zum Pries­ter ge­weiht wer­den und die wün­schen mit dem Mis­s­a­le Ro­ma­num von 1962 zu ze­le­brie­ren, sol­len ei­nen förm­li­chen An­trag an den Di­ö­ze­s­an­bi­schof rich­ten, der den Apo­sto­li­schen Stuhl kon­sul­tiert, be­vor er die­se Er­laub­nis er­teilt

Art. 5. Pries­ter, die be­reits nach dem Mis­s­a­le Ro­ma­num von 1962 ze­le­brie­ren, sol­len beim Di­ö­ze­s­an­bi­schof die Er­laub­nis be­an­tra­gen, um sich wei­ter­hin die­ser Voll­macht zu er­freu­en.

Art. 6. In­sti­tu­te des ge­weih­ten Le­bens und Ge­sell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Le­bens, die von der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Ec­cle­sia Dei er­rich­tet wur­den, fal­len in die Zu­stän­d­ig­keit der Kon­gre­ga­ti­on für die In­sti­tu­te des ge­weih­ten Le­bens und Ge­sell­schaf­ten für das apo­sto­li­sche Le­ben.

Art. 7. Die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sa­kra­men­ten­ord­nung und die Kon­gre­ga­ti­on für die In­sti­tu­te des ge­weih­ten Le­bens und die Ge­sell­schaf­ten des Apo­sto­li­schen Le­bens üb­en in Din­gen ih­rer je­wei­li­gen Zu­stän­d­ig­keit die Voll­mach­ten des Hei­li­gen Stuhls hin­sicht­lich der Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mun­gen aus.

Art. 8. Frühe­re Nor­men, In­struk­tio­nen, Ge­neh­mi­gun­gen und Ge­bräu­che, die den Be­stim­mun­gen die­ses Mo­tu Pro­prio nicht ent­spre­chen, wer­den auf­ge­ho­ben.

Ich ord­ne an, dass al­les, was ich in die­sem Apo­sto­li­schen Schrei­ben in Form des Mo­tu Pro­prio er­klärt ha­be, in al­len sei­nen Tei­len be­ach­tet wer­den muß un­ge­ach­tet ir­gen­det­was Ge­gen­tei­li­ges, auch wenn wert ist be­son­ders ge­nannt zu wer­den, und ich be­stim­me, dass es durch die Ver­öf­fent­li­chung im „L'Os­ser­va­to­re Ro­ma­no“ pro­mul­giert wird und um­ge­hend in Kraft tritt und nach­fol­gend im of­fi­zi­el­len Kom­men­tar des Hei­li­gen Stuhls „Ac­ta Apo­sto­li­cae Se­dis“ ver­öf­fent­licht wird.

Ge­ge­ben zu Rom, zu Sankt Jo­han­nes im La­te­ran, am 16. Ju­li 2021, dem li­tur­gi­schen Ge­denk­tag Un­se­rer Lie­be Frau vom Ber­ge Kar­mel, im neun­ten Jahr un­se­res Pon­ti­fi­kats.

Fran­zis­kus